Kompolize

 

Internationaler Kompositionswettbewerb des Lietzeorchester e.V. Berlin
in Zusammenarbeit mit psophos

16. Kompolize Winter 2020

Preisträger des 16. Kompositionswettbewerbs Kompolize Winter 2020 ist Lukas Neudinger mit seinem Werk Zoom the Haze (2017). Die Uraufführung durch das Lietzeorchester findet am Samstag, 22. Februar 2020, 18 Uhr, in der Auenkirche in Berlin-Wilmersdorf und am Sonntag, 1. März 2020, 18 Uhr, im Großen Sendesaal im Haus des Rundfunks Berlin (Masurenallee) statt.

Lukas Neudinger, 1980 im Burgenland (Österreich) geboren, studierte nach der Matura an der Konservatorium Wien Privatuniversität (MUK) Violine, Viola und Komposition. Seit 2009 ist er als Solobratscher im Orchester der Vereinigten Bühnen Wien tätig, daneben substituiert er in diversen Symphonieorchestern.

Schon während des Studiums erhielt er Kompositionsaufträge durch KIBu (Komponisten und Interpreten im Burgenland), der Konservatorium Wien Privatuniversität und der Musik-Akademie Basel. Wettbewerbserfolge hatte er 2003 beim Burgenländischen Landesjugend-Kulturpreis, 2005 (sowie 2006 und 2007 Anerkennungspreise) beim Jenö Takács-Kompositionspreis oder 2017 beim Wiener Concert-Verein-Compositions-Wettbewerb.

Neudingers Werkliste umfasst beinahe sämtliche Gattungen von Solo- bis zu Orchesterwerken, sie werden im In- und Ausland durch renommierte Ensembles aufgeführt. Gefördert durch das Österreichische Bundesministerium für Kunst und Kultur erklang 2013 Not to see the Sun in Oberschützen und Fürstenfeld, gespielt vom Universitätsorchester Oberschützen unter der Leitung von Martin Kerschbaum. 2017 folgte die Uraufführung von Wenn Seraphim fallen im Brahmssaal des Wiener Musikvereins durch den Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Lorenzo Viotti. Neudinger lebt und arbeitet in Wien.

Über sein Werk Zoom the Haze (2017) schreibt Lukas Neudinger:

Zoom the Haze – Weit. Grau. Dunstschleier und Nebelschwaden. Nichts sichtbar, alles nur erahnbar. Scheinbar konturenlos. Tiefer, immer tiefer hinein. Der Mitte so nah. Dunkle Schatten zuvor, klare Formen jetzt. Zoom the Haze – und beginne zu sehen …

Die Komposition entstand aus der Überlegung heraus, einen anhaltend schwebenden Orchesterklang zu zoomen. Ist es möglich, immer tiefer ins Innere eines Tonnebels vorzudringen, das Unscharfe zu verdrängen und so sukzessiv Konkretes wahrnehmbar zu machen?

… ZOOM IN

Durch seine Metamorphose gewinnt der Gesamtklang schrittweise an Intensität und Prägnanz. Durch fein ausbalancierte Instrumentation und Harmonik wird der Eindruck von wahrnehmbaren Strukturen merkbar. Nebeneinander verlaufende Strömungen einzelner Instrumentengruppen und zeitlich versetzte Impulse finden in der Mitte des Werks zu Gleichzeitigkeit und Gleichförmigkeit. Durch Unisono der Stimmen wird mehr Schärfe und Substanz in der Musik erreicht. Immer länger zieht sich der Spannungsbogen, bis sich unweigerlich die Frage stellt: Was ist es, das hier allmählich zum Vorschein kommt?

… ZOOM OUT

Einzelne Dunstwolken verhüllen wiederum die Sicht und bringen die Komposition sukzessive in die geheimnisvolle Anfangsstimmung zurück. Hier ein Schleier, dort Verborgenes. Der Moment, es sehen zu können – vielleicht jetzt, vielleicht nie. Zoom the Haze, eine Klangexpedition für großes Orchester.

Kompolize

Der internationale Kompositionswettbewerb Kompolize von psophos und dem Lietzeorchester e.V. Berlin gibt zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten die Gelegenheit, ihre Werke einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und Erfahrungen mit einem großen symphonischen Klangkörper zu sammeln. Dabei nehmen die Musikerinnen und Musiker des Lietzeorchesters aktiv an der Entwicklung des gegenwärtigen Musiklebens teil und tragen zur kulturellen Vielfalt Berlins bei.

Seit der ersten Ausschreibung 2012 erreichten psophos Werke von Komponistinnen und Komponisten aus Belgien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, dem Iran, Italien, Japan, den Niederlanden, Österreich, Russland, Schweden, der Schweiz, Südkorea, Taiwan, der Türkei, der Ukraine, den USA und Zypern.

Teilnahmeberechtigt sind alle lebenden Komponistinnen und Komponisten. Die eingereichten Partituren werden von psophos anonymisiert und einer Jury vorgelegt, die sich aus aktiven Mitgliedern des Lietzeorchesters zusammensetzt. Einsendeschluss für den 18. Kompolize Winter 2021 ist der 30. April 2020.

An Kompolize haben verhältnismäßig wenige Komponistinnen teilgenommen. Kübra Aytulun war die erste und bislang einzige Kompolize-Preisträgerin. Ihr Werk Sanrı wurde im Sommer 2018 uraufgeführt. psophos und das Lietzeorchester würden sich sehr über weitere Preisträgerinnen freuen und rufen insbesondere Komponistinnen auf, ihre Werke einzureichen.